Die Geschichte der Schwobemädle PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Christiane Lehr   
Freitag, 18. April 2008 19:02

Begonnen hatte alles 1934, als einige junge Frauen ihre Begeisterung im Flugsport fanden und diese den Club der Segelfliegerinnen Stuttgart e.V. gründeten. Unter den Gründungsmitgliedern war auch Frau Erna Frey-Koch. Das erste Fluggerät aus solidem Holz mit Stoffbespannung wurde von den handwerklich geschickten Mädchen und Frauen unter Anleitung selbst gebaut. Die ersten Rutscher auf dem Schulgleiter SG 38 wurden auf dem Cannstatter Wasen, der Teck, dem Wächtersberg und dem Hohen Karpfen durchgeführt. Bald wurde der SG 38 durch ein Grunau Baby ersetzt. Schon 1941 fand ein Fliegerinnenlager auf dem hohen Karpfen statt.

Hanna Reitsch 1952 in einer Mü-13E

Nach jahrelangem Flugverbot durch die Besatzungsmächte fand der Club seine endgültige Heimat auf dem Klippeneck. 1952 und 1953 trafen sich Segelfliegerinnen und flugbegeisterte Frauen aus der ganzen Bundesrepublik zu Lehrgängen auf dem Klippeneck. Geleitet wurden diese Ausbildungslehrgänge von der bekannten deutschen Fliegerin Hanna Reitsch. 1954 wurde der erste Schulungsdoppelsitzer vom Typ Rhönlerche im Hof des Neuen Schlosses von Stuttgart auf den Namen "Schwobemädle" getauft. Die Bezeichnung "Schwobemädle" ist übrigens heute noch für unsere Mitglieder gebräuchlich. Unermüdliche Zusammenarbeit und einige Spenden machten 1961 den Kauf einer Ka 8 möglich. Sie wurde auf den Namen "Venus" getauft. Mit diesem stolzen Flugzeug wurden noch im selben Jahr von Brigitta von Schmude die ersten 3000m im Föhn erflogen, was damals eine respektable Leistung war und zugleich eine Bedingung für die Gold C darstellte. Mit Brigitta von Schmude (heute Brigitta Keller ) hatte der Verein eine eigene erfahrene und begeisterte Fluglehrerin gefunden. Unvermeidliche Tiefen stellten sich ein - wie Sturmschäden an der Rhönlerche, Brüche, Ausfall des Schulungsflugzeuges, die völlige Zerstörung der Ka 8 durch das einstürzende Dach der schneeüberladenen Flugzeughalle in Innsbruck, dem damaligen Paradies der Föhnfliegerei. Durch Einsatz, Fleiß und viele Helfer wurden auch diese Schwierigkeiten überwunden. Schließlich wurde 1963 die gute alte Rhönlerche verkauft und durch einen neuen Schulungsdoppelsitzer, einem "Bergfalke III " ersetzt. Dieser wurde auf den Namen "Unser Sonntag" getauft. Gleichnamig mit der Segelfliegerin Paula Sonntag, die sich unermüdlich für ihre Schwobemädle und den Verein einsetzte. Im Verein ist mit Ingrid Hoika zwischenzeitlich eine neue Fluglehrerin "herangewachsen". Schon 1966 konnte der Club die heißersehnte Ka 6 CR kaufen und damit den Mitgliedern den Weg zum Leistungssegelflug ermöglichen. Viele Leistungen und Klippeneckwettbewerbe wurden damit erflogen. Mit zeitweise bis zu 10 Flugschülerinnen waren beide Flugzeuge bestens ausgelastet.

1984 feierte der Verein sein 50-jähriges Bestehen mit neunzig Gästen aus dem In- und Ausland. 1995 wurde unsere nunmehr alte Ka 6 durch eine ASK-13 ersetzt. Diese ASK-13 ist im Topzustand und stellt heute das Schulungsflugzeug und Passagierflugzeug des Vereins dar.

1997 wurde sporadisch ein Treffen 60 + 3 Jahre auf dem Klippeneck einberufen. Wieder kamen die Besucherinnen und Besucher aus allen Himmelsrichtungen auf das Klippeneck gereist. Es gab viele Ehrungen für mehrere Jahrzehnte Mitgliedschaft. Im kleinen Festzelt bei zünftiger Musik und hervorragender Bewirtung, verging die Zeit wie im Flug. Alte Erinnerungen und Geschichten wurden ausgetauscht und mit vielen mitgebrachten Fotoalben für die jüngeren Mitglieder lebendig gemacht. Alle Anwesenden waren sich einig, der 65. Geburtstag des Vereines muss unbedingt gefeiert werden.

Aktualisiert ( Dienstag, 22. April 2008 15:39 )